MORGEN FREITAG

ist ein friedlicher Anlass beim Chinagarten geplant. Ein sog. Botéllon, wo sich Leute Treffen, um zu trinken und Spass zu haben. Also eigentlich das, was viele Leute immer tun, mit allen Freuden, Gefahren und möglichen Kollateralschäden, woraus Zeitungen und Gratisblätter in diesem Falle reihenweise hysterischen Mist ableiten. Der Anlass ist umsonst und alle, die sich friedlich verhalten sind willkommen. Das ist wohl das Problem.

Denn die Spassbremsen von der Zürcher Stadtregierung haben natürlich was dagegen. Das Ding ist ja auch nicht behördlich reguliert, bringt weder Geld noch Prestige und die Leute hatten v. a. die Frechheit, vorher nicht zu fragen.

Am liebsten würde der Stadtrat den Anlass verhindern, kann er aber realistischerweise nicht: Es sind gleichzeitig mehrere Festanlässe und die entsprechende Facebookgruppe umfasst schon über 7400 Personen. Wenn nur 1/3 hingeht, wirds schon ziemlich voll. Die Wiese kann man danach vermutlich in der Pfeife rauchen. Macht aber nix, war bei der EM auch so. Aber diese hat nun mal erwähntes Geld und Prestige gebracht.

Herzlich willkommen in Zürich, der Stadt der Verbote. Und immer dran denken: Hier wird sich nur mit Bewilligung amüsiert, sonst gibt’s Zoff!

Viel Spass morgen!

Nachtrag

Zusammengetragen aus div. Medien und Kommentaren:
Das Fest verlief weitgehend friedlich. Es gab keine Messerstechereien und Schlägereien wie an den gleichzeitig stattgefundenen, amtlich bewilligten Langstrassen- und Niederdorffesten.
Es kam zu fortgeschrittener Stunde da und dort zu Spannungen zwischen der anwesenden Polizei und den Bottélon-TeilnehmerInnen.
Die Schätzungen zu Besucherzahlen schwanken zwischen 1000 und 3000. Es kam zu 10 Hospitalisierungen und 4 Verhaftungen. Es wurden kurzfristig 90 Zivilschützer aufgeboten zur Betreuung von Betrunkenen. Diese hatten nichts zu tun, da die Menge der Betreuungsbedürftigen weit unter den Erwartungen lag.
Besonders negativ ins Gewicht fällt die zurückgelassene Abfallmenge, insbesondere die auf der Wiese liegenden Glasscherben. Die dazu veröffentlichten Zahlen werden kontrovers diskutiert.
Von einigen PolitikerInnen wird verlangt, die angefallenen Kosten (geschätzt auf CHF 18′000 – 25′000) dem ursprünglichen, 6 Wochen vor der Veranstaltung zurückgetretenen Initianten anzulasten. Dieser hat zu Beginn dazu aufgerufen, Plastiksäcke zur Abfallbeseitigung mitzubringen.

Häufig finden sich in Internetforen u.ä. Vergleiche mit anderen Veranstaltungen wie Euro 08 und andere Fussballspiele, Langstrassenfest, Niederdorffest, Streetparade, Sechseläuten, etc. und die damit einhergehende Alkoholisierung, Gewalt, Abfallproduktion, Lärm- und sonstige Belästigung, Kosten, Beanspruchung öffentlichen Grundes etc.

In ein paar Tagen wird sich die Aufregung wohl gelegt haben und das Spiel beim nächsten Botéllon wieder von vorne beginnen.