Archiv für September 2010

GESTERN ABEND

war „Ravepunk für eine bessere Welt“ Real-Life-Videopremiere. Ein schönes Fest mit den DarstellerInnen und StatistInnen. Als kleines Extra wurde nach dem 3,5minütigen Clip der 86minütige Vampirkracher „30 Days of Night“ vorgeführt.

Die Sponsoren traten sehr diskret auf:

als kleines Dankeschön gab es für alle Mithelfenden…

Einen Schal mit dem Universum drauf!

Bild und Ton waren top

Im Budget inklusive: Das Feuerwerk

Paparazzi hatten keinen Zutritt. Man diskutierte im Anschluss ungestört die Vielschichtigkeit des Werks und seinen Kontext.






Danke für den Besuch!

MAL DIE ALBEN REVUE PASSIEREN LASSEN (TEIL 1)

„Entweder Saalschutz“ erscheint in genau einem Monat. Hier mal ein kleiner Rückblick bis in die Gegenwart. Die Geschichte der Entstehung unserer Platten ist natürlich auch die Geschichte unserer Band und ihrer Entwicklung.

1. Das ist nicht mein Problem (2004)

Unser Erstling, war eigentlich gar nicht geplant. Wir fingen im Sommer 2001 an und wollten damals einfach möglichst viel live spielen.
Das Konzept war, elektronische Musik / Techno „von Hand“ nachzuspielen, also auf softwarebasiertes Arbeiten auf der Bühne zu verzichten. Natürlich war das dann notgedrungen sehr reduziert (wir haben nur 4 Hände): Drumbeats, Bass-Synhti, Keyboard-Lines, Gesang. Also eigentlich war das fast wie eine Gitarrenpunkband, mit anderen Instrumenten. Mit Drummern hatten wir in unserer Band-Vergangenheit beide schlechte Erfahrungen gemacht, also war klar: Herzstück ist ein Drumcomputer. Keyboard spielen konnten wir beide nicht, wir beschränkten uns auf die weissen Tasten. Musik mit schwarzen Tasten nannten wir intern „jazzig“. Wegen der praktischen Anordnung auf unseren Instrumenten, waren fast alle unsere Stücke auf „A“ – das lag so einfach am besten in der Hand. Oktavbass war das grosse Ding für uns, weil das einfach zu spielen war. Der grosse Vorteil von alldem war, dass wir sehr leicht an Auftritte kamen: Nur zwei Leute, keine grosse Backline, nur 3 Fader zu bedienen; zwei mal Gesang und eine Monospur vom Instrumental, das wir selber abmischten. Stereo war uns zu wenig kompromisslos. Ausserdem wenig zu schleppen, im Falle von Gage mehr Geld für jeden und keine Soundchecks. Notfalls konnten wir sogar alles inklusive Gesang von der Bühne aus mischen. Der Nachteil: Es klang scheisse, wenn wir grössere Räume mit mehr als 100 Leute beschallen sollten, weil vieles am Frontsound einfach nicht zu kontrollieren war.

In dieser Zeit kam es in Zürich gerade immer mehr auf, dass Musiker mit Laptops ihre Livesets spielten. Ausserdem machten eigentlich alle Minimal oder extrem anstrengende Geräuschmusik und ich persönlich hatte den Eindruck, dass es sehr ernsthaft zu und her geht. Geräuschmusik machten wir auch (mit unglaublich ironischem Gestus). Aber eigentlich ging es darum, Spass zu haben und einen mindestens für uns neuen und interessanten Twist in diese ganze Musikangelegenheit zu bringen nach Jahren des verzweifelten Gitarre und Bass-Spielens.
Etwa gleichzeitig kam „Electroclash“ auf und wir distanzierten uns natürlich sofort davon (wie später von Nu Rave). Grund: zu cool, zu viel Fashion, zu viel Gewicht auf dem Image. Kurz: zu anstrengend.

Wir hatten gar nicht vor, eine Platte aufzunehmen sondern nahmen einfach während eines Monats in den Bergen (z. B. „Diedrich Diederichsen“) und später im Proberaum und zu Hause das auf, was wir an Songs zusammengebastelt hatten und schickten das rum, mit dem Hinweis, dass live alles viel geiler klingt. Wir konnten da und dort spielen, oft in besetzten Häusern und illegalen Clubs und gingen auf Konzertreise mit KNARF RELLÖM & DJ PATEX, wo wir u.a. auch TORSUN und nach und nach den Rest der späteren AUDIOLITH Bande kennenlernten.

ALFRED HILSBERG sprach uns dann an, nachdem KNARF RELLÖM und andere bei ihm Werbung für uns gemacht hatten. So kam „Leererer, inhaltsloserer Ausdruck“ 2003 auf die Zick Zack Compilation „Bis auf weiteres eine Demonstration – Geräusche für den Tag danach“ (ZZ 2003), wo auch KNARF RELLÖM, EGOTRONIC, DAS BIERBEBEN und viele andere drauf vertreten waren.

Dieser Song erschien dann auch auf „Technopunk/Little Big City“ (Split auf REWIKA mit KNARF RELLÖM & DJ PATEX):

„Leererer, inhaltsloserer Ausdruck“ war ein Remix von „Leerer, inhaltsloser Ausdruck“. Es ist einer der wenigen Songs, bei denen ich mich ziemlich genau an die Entstehung erinnere: Ich fuhr mit der Strassenbahn Nr. 5 Richtung Uni am Kunsthaus vorbei und da kam mir einfach so diese Zeile „kennst Du dich bei Kunst aus“ und der Reim auf „Kunstraub“ in den Sinn. Ich ging in die Bibliothek und kritzelte das hin, um die Leerstellen aufzufüllen. Der Rest des Textes entstand etwa in 5 bis 10 Minuten. Eine bessere Aufwand-/Ertragsbilanz hatte ich wohl nie mehr. Das Kunstthema fand ich gut, weil ich ziemlich oft mit Kunstschulleuten abhing und mich mit meinem besten Freund JOHAN, der damals an der Kunstschule war und Performances etc. machte, tatsächlich oft über solche Sachen unterhielt. Mein Verhältnis zur Kunstszene und ihren Erzeugnissen war sozusagen von Hassliebe geprägt.

Der weitere Song wurde dann in meinem WG-Zimmer aufgenommen. Ich lud STINA GALAXINA, die ich über FLUMROC kannte, ein zum Einsingen des Refrains. Das ging ebenfalls sehr schnell. Als ich die Version machte, die dann auf den Sampler kam, war ich sehr krank und musste ca. alle 10 Minuten kotzen gehen. Auch daran kann ich mich noch sehr gut erinnern.

Ansonsten entstanden die Texte mehr oder weniger aus dem Stehgreif, ich mischte einfach alles durcheinander, was sich bis dahin in meinem Kopf angesammelt hatte. Ich wollte möglichst nichts Persönliches preis geben und legte Wert auf eine gewisse Distanziertheit. In Hochdeutsch zu schreiben/singen erschien mir dazu als angemessenes Mittel. Mein Französisch reichte gerade für SMS d‘amour. Auf Englsich wäre es vielleicht auch gegangen, aber die Amts- und erste Schulsprache Hochdeutsch konnte ich klarerweise besser. Ich wollte Texte schreiben, die als Parolen wie als Kommentare funktionierten. Also sozusagen Hooliganismus und intellektuelle Intervention unter einen Hut bringen. Manche Leute nehmen uns das bestimmt bis heute nicht ab. Da unsere Maxime war „pro Konzert mindestens ein neues Lied“, hatten wir dann nach einiger Zeit ein paar Lieder zusammen, die dann auch auf die Platte kamen.

„Leerer, inhaltsloserer Ausdruck“ wurde in den meisten Reviews zum Sampler lobend erwähnt, was uns natürlich enorm freute. HILSBERG fragte uns dann, ob wir ein Album aufnehmen wollen. Er wollte aber kein Vinyl machen. Da wir unbedingt Vinyl haben wollten (nur schon für uns) entschlossen wir uns, das in Zusammenarbeit mit DESERT ENGINE zu machen, deren Labelchef ROLF uns mal nach einem Konzert angesprochen hatte. Er wiederum wollte keine CD machen. Perfekt! Wir dachten, mit einem Album können wir noch mehr live spielen. Also los.

Die Aufnahmen waren sehr lustig. Ich musste die anderen jeweils rausschicken, weil ich sonst beim Einsingen immer lachen musste. Einen Teil der Songs nahmen wir bei mir zuhause auf, einen Teil bei Flumroc und einen weiteren Teil bei Rolf und bei uns im Proberaum. Der Pedanterie zuliebe sei noch erwähnt: Das Intro entstand im Projektorraums des Kinos LE PARIS.

Ich sang prinzipell immer im Sitzen, was man vermutlich auch hört. Die einzigen Songs, die im Stehen eingesungen wurden sind „Mein Pop Dein Pop“, „Today we all gonna die“ und „Ohne Saalschutz“, also die, bei denen etwas mehr geschrieen wird. Bei letzterem war ich erkältet, man kann es an der noch nasaleren Gesangsstimme erahnen :) Ebendiese Songs arrangierten wir auch gar nicht erst per Computer, sondern liessen den Drumcomputer mit dem vorher programmierten Beat laufen und spielten und sangen live dazu. Die Breaks haben wir wie an den Konzerten von Hand gemacht, indem wir auf „Stop“ und „Start“ drückten. Teilwesise wurden die Aufnahmen ohne Overdubs gemacht, und man hört Monitorsound auf einigen Gesangsspuren, da wir für gewisse Songs auch ohne Kopfhörer arbeiteten. Aufgenommen wurde dann auf eine digital 8-Spur-Konsole. Dies hatte zur folge, dass man z. B. die Drums gar nicht mehr weiter Abmischen konnte. All das zusammen sorgte für den oft erwähnten „trashigen“ Sound.

Bei der Produktion der Platte passierte auch ein grosses Unglück: FLUMROC rief mich an mit der Nachricht, dass seine Computer tot sei, und er nur noch die gebrannten CDs mit den Demoversionen hätte. Das betraf die etwas dancigeren Songs wie 19, 9 & 90, SMS d‘Amour oder eben Leererer inhaltsloserer Ausdruck. Ich sagte „kein Problem, ich hab ja alles auch, ich mach morgen als erstes ein Backup“. Nur ging mein Computer am nächsten Morgen auch nicht mehr. Von SMS d‘amour hatte ich zum Glück die Spuren schon auf DVD gebrannt, darum konnte ATOMIK MARTIN auch diesen tollen Remix machen. Der Rest kam dann einfach so auf die Platte, wie es zu dem Zeitpunkt war: Mehr schlecht als Recht mit Kopfhörern „gemischt“ (= fast alles in die Mitte gepant).

Den Titel erarbeiteten wir per Brainstorming im Foyer des erwähnten Kinos LE PARIS. Wir schrieben alles auf. KNARF stiess auch dazu und sagte beim runterlesen „Das ist nicht mein Problem!!! Das ist es“. Gut, also war das der Titel.

Das Cover machte JONAS VÖGELI. Als grosser Fan von Typografie packte er die Tracklist vornedrauf in einer eigens gestalteten Schrift. Hinter dem Tray war ein Bild und das Tray sollte eigentlich weiss sein. Die Herstellerfirma versagte aber und wir waren ziemlich angepisst deswegen, weil sie unseren Witz kaputt gemacht hatten. Ich schrie deswegen ziemlich rum als ich mit ALFRED HILSBERG telefonierte.
Aber man konnte nix machen. Es gab Preisnachlass und die zweite Auflage haben sie dann nicht mehr verbockt. An anderer Stellte gibt es dann mehr zu JONAS‘ Arbeit zu lesen.

Einige Magazine weigerten sich die Platte zu besprechen, „bis das richtige Cover da ist“. Fanden wir lustig. Diejenigen Reviews, die dann doch geschrieben wurden, waren eigentlich meist sehr wohlwollend und wir konnten mehr und mehr Konzerte spielen. Wir wurden mit anderen Bands in Kontext gestellt, oft z. B. mit MEDIENGRUPPE TELEKOMMANDER aber auch mit DIE TÜREN und VON SPAR wovon wir glaube ich enorm profitierten (darum: „Profitieren von dem Hype“, aber dazu später mehr). Unser Name wurde oft auch gennant bei Artikeln über MTK und andere Bands, die berühmter waren als wir und wir hatten den einen oder anderen eigenen Artikel, was natürlich alles zusammen gute Promo ist. Es gab (gibt) natürlich auch Leute, die unsere Platte scheisse fanden (finden). Aber wir konnten (können) damit leben.

Übrigens spielten wir an einer Platzbesetzung tatsächlich vor dem besungenen Kunsthaus, was ich mir beim Tagträumen mal kühn ausgemalt hatte.

Bis dann, wenn es um „Saalschutz macht’s möglich“ geht! MTDF

VIDEO

Danke an Igor, Raul und Tomek vom Filmteam, sowie an Franziska, Maxi, Arto, Lara, Natascha, Sara, Wanda fürs Mitspielen. Dave sei gedankt für die Karre und Mama Lauda fürs mithelfen :)

We <3 you all.

Die Entstehungsgeschichte findet ihr hier.

Bis denne, SAALSCHUTZ

SINGLE DOWNLOAD LINKS

gibts hier:

Original Anhören in voller Länge:

Saalschutz – Ravepunk für eine bessere Welt by Audiolith

Psilodump Remix (Free Download)

Saalschutz – Ravepunk für eine bessere Welt (Psilodump Remix) by Audiolith

HAMBURG

war sehr schön. wir danken!

nur ein wermutstropfen:

liebe hamburgerInnen, wir wussten nicht, dass so gut wie permanent durchgefilmt wird an unserem auftritt. wir gingen davon aus, es werde vorwiegend bei „das leben ist tödlich“ und beim letzten lied gefilmt. wir haben erfahren, dass das einigen die stimmung verdorben hat. wir entschuldigen uns bei allen, die sich gestört fühlten. liebes kamerateam, falls das jemand von euch liest, nichts für ungut, aber nehmt bei eventuellen weiteren konzertdrehs (das wird dann eher eine andere band sein) bitte etwas mehr rücksicht. sowas geht stark auf kosten des konzerts/der band und der gäste.

all the best, saalschutz