Archiv für Dezember 2010

DER WIDERSRPRUCH

Video von Gregor Teggatz. Danke!

WAS WAR UND WAS KOMMEN WIRD

Ich hab meine Fotokamera verlegt. Darum ist leider mein schönes Foto mit einem Beamten der Guardia di Finanza, die mich in einem Vorort Baris nach Drogen durchsucht haben zumindest für den Moment verschollen.

Symbolbild:

Aber der Reihe nach: Am 20. November hatte ich die Gelegenheit, nach Süditalien, genauer Bari, zu fliegen um dort aufzulegen. CARLO vom STALL 6 hat dieses Ding für mich aufgegleist. Ich hätte auch gerne ein paar Tage angehängt, aber da ich gerade damit beschäftigt war, den Sampler zu Programmieren und mit Gspusi FLUMROC das neue Set vorzubereiten verzichtete ich darauf.

Ich flog also nach Bari, wo es doch immerhin angenehme 14 Grad warm war und wurde von drei netten Herren namens FRANCESCO, GIANNI und ELVIS abgeholt. Sie brachten mich erstmal zum NEW DEMODE CLUB, wo ich am Abend auflegen sollte. Später gings zu meinem Schlafplatz wo ich auf weitere Leute traf. Unter anderem gab es ein Radiointerview und es wurde lecker Abend gegessen. Unglaublich lecker sogar. Dann gings zurück zum Club zum Auflegen. Auf dem Weg dahin wurden wir von den erwähnten Guardia die Finanza rausgewunken und meine Plattenkoffer nach Drogen durchsucht. Da ich aber ausser Alkohol, Fernsehserien und Büchern keine nennenswerten Drogen nehme – und wenn ich es täte ich nicht genug doof wäre, zu versuchen, diese über eine Grenze zu bringen – fanden sie natürlich nichts. Sie verloren auch sehr schnell das Interesse, als ich ihnen sehr aufdringlich alle Fächer der Plattentaschen zum Durchsuchen anbot.

Ich sagte dem einen Beamten, ich würde gerne ein Erinnerungsfoto schiessen, was zu einem leicht bestürzten Ausdruck auf den Gesichtern meiner Gastgeber führte. Der Beamte sah sehr streng drein und er fragte mich „Are you famous? Are you important?“ und auf mein deutliches „Yes“ hin stellte er sich für ein Foto neben mich. Zurück in Zürich sagte mir dann CARLO „They are the hardest police in the whole of italy, man!“. Hmmm, da haben sie wohl ihre Lektion von einem noch härteren DJ gelernt.

Soweit so gut, endlich konnte es also in den Club gehen. Der DJ vor mir legte passend zur angeblichen Härte der Gesetzeshüter ziemlich harten Elektro auf, worauf ich seit längerem nicht mehr so Bock habe (auf die Gesetzeshüter schon länger, aber das hat andere Gründe und ist eine andere Geschichte). Ich spielte einen relativ verqueren Mix aus Baltimore, Elektro/Dance und Äquator-House, was dazu führte, dass sich der Saal zwei mal leerte und füllte (immerhin). Mir wurde auch gesagt, dass in dieser Szene eher lange Übergänge und homogener Stil angesagt seien, ich jedoch praktiziere bisweilen das genaue Gegenteil ziemlich exzessiv. Es kam dann aber doch recht gut an, einige Leute machten alle Eskapaden mit und blieben von Anfang bis Ende. Eine neue Bookinganfrage aus Bari liegt auch schon vor. Also alles cool. Problematisch war einzig die etwas instabile Konstruktion des DJ Pults so dass man sehr vorsichtig mitwippen musste, damit die Nadel nicht hüpft. Und der Allen & Heath Mischer mag unter technischen Gesichtspunkten besser sein als der DJM 800, ich mag aber zweiteren trotzdem lieber. Jedoch ist das ist alles nochmals gleich doppelt und dreifach piepegal, wenn man so nett behandelt wird, wie es mir widerfuhr, in dem Sinne grazie mille a tutti!

vs.

Nach dem Set legte ich mich für eine Stunde aufs Ohr, um den Flieger zurück nach Zürich zu nehmen. Da angekommen wurde ich Nachmittags von FLUMROC und MICHELLE POSSIBLE abgeholt. Wir fuhren nach St. Gallen ins PALACE, welcher Club uns zur Verfügung gestellt wurde, um unser neues Live Setup zu testen. An dieser Stelle nochmals ein grosses Dankeschön! Als Gegenleistung spielen wir da nächstes mal vergünstigt. Wir probierten lustige Dinge aus wie Live-Sidechaining auf den Flächensounds – getriggert wahlweise von den Hihats, der Snare oder der Kick. Resultat: Kick ist am besten. Es klingt alles sehr viel transparenter, dynamischer und satter als früher. In Freiburg wurden wir auch auffallend oft auf den „guten Sound“ angesprochen. Das ist natürlich sehr befriedigend, war ja auch ein Haufen Arbeit und wir freuen uns um so mehr auf die Konzerte. Wir brauchen auch ein Mischpult mit ein paar Kanälen mehr als früher, alles für Euch, die Freaks! Und ein Bisschen auch für uns, okay.

A propos PALACE: Der Club ist wirklich einen Besuch wert, sollte mal jemand da sein. Er befindet sich nämlich in einem ehemaligen Kino.
Warum nicht an unserem Auftritt im Frühling?

Danach hatten wir eine paar Tage Zeit um weitere Songs einzüben und v.a. die MPC zu programmieren. Mittlerweile geht das ganz fix. Ich muss mir für die Zukunft nur noch ein paar Gedanken zu Arrangement-Konzepten machen, damit auch alles schön flexibel bleibt. Work in Progress in Reinkultur. Es macht mir nach anfänglichen Schwierigkeiten inzwischen Riesenspass an der MPC rumzufummeln. Mittlerweile bin ich auf das JJ OS umgestiegen, das mir mehrfach empfohlen wurde. Es gibt damit tatsächlich keine Sync-Probleme. Sehr schön. Momentan benutze ich noch die Gratisversion. Wenn ich etwas besser mit der Maschine umgehen kann, werde ich mir wohl mal eine der grösseren Versionen kaufen, da diese doch einiges mehr an Features bieten. Das JJ OS hat auch ein zwei Nachteile im Workflow (insbesondere im Grid Mode), aber vielleicht fand ich nur noch nicht den entsprechenden Kniff um Arbeitsschritt XY in der Handhabe des AKAI OS aufs JJ OS zu übertragen. Allen die noch nicht eingeschlafen sind rufe ich entschieden zu: genug des Nerd Talks jetzt! Die anderen bitte ich sanft, aufzuwachen.

Hier geht’s weiter:

In Freiburg konnten wir das neue Live-Konzept zum ersten Mal testen. Kurz: Es hat riesen Spass gemacht! Die Leute kannten die Songs und die Party war sehr schön mit Crowdsurfen und so. Natürlich ist alles noch etwas Achterbahnfahrt mässig. Und wir wissen noch nicht genau, wann wir die Songs der verschiedenen Alben wie kombinieren. Egal, das wird sich alles geben und ein paar Ecken und Kanten stehen so einem Konzert doch auch nicht so schlecht. Danach auflegen kurz mit und dann nach den SEXINVADERS. War einmal mehr sehr lustig mit Euch, Jungs! Von BJÖRN PENG hab ich nur ein Teil mitgekriegt. Immer dasselbe, wenn man selber spielt. Alles war sehr gut organisiert und das Essen hervorragend. Was will man mehr.

Am nächsten Tag ging es nach Adelsheim an den Lucky Rave. Der Clubbetreiber ist ein alter Metalfan und schon lange als Veranstalter tätig und erzählte uns entsprechend tausend Geschichten von Bands die wir mögen bis lieben. Sehr nice. Das Konzert an dem Abend war nicht so gut besucht, aber die Stimmung war auch sehr gut, es ging eigentlich schon von Anfang an richtig zur Sache. Danach gab es ein paar kühle Getränke an der Bar und lebendige Diskussionen im Hotelzimmer. Auch hier: Danke an die Leute vom Organisationsteam.

Tja und da stehn wir jetzt und gleich geht die Tour los und das ist alles ganz schön aufregend, weil das ist ja alles neu jetzt und fast so als wärs die erste Tour. Hier haben wir diesbezüglich ein Versprechen abgegeben und wir tun alles, was in unserer Macht steht, dieses zu halten:

„Wir werden uns Mühe geben, Konzerte nach allen Regeln der Kunst zu spielen. Es gibt Blut, Schweiß und Tränen. Wir werden an schwer zu schleppenden uralten Geräten malochen, bis wir umkippen. Es werden Knöpfe gedreht und Tasten gedrückt. Es kann immer etwas schief gehen. Aber dann haben wir immer einen Witz parat.“

Hierhin geht’s (plus Heidelberg im Januar):

noch nicht überzeugt? Bitte:

Bis denn! MTDF